Catherine Pozzo di Borgo, Töpferin

Vase von Catherine Pozzo di Borgo
 
 

Das einmalige Kunstwerk: die Emaille

 
        Dieser Salatschüssel hat Catherine Pozzo di Borgo eine Form gegeben, die gleichzeitig ansprechend und praktisch ist. Doch was die Schüssel zum einmaligen Kunstwerk macht, das ist die Emaille-Schicht. Denn die Emaille auf einem Töpferwerk aus Sandstein gelingt niemals gleich. Und ihre Zusammensetzung ist stets ein Geheimnis des Künstlers. Jeder entwickelt seine eigenen Techniken, und jeder macht seine eigenen, langwierigen Versuche, um die richtige Mischung zu finden.
 
 
 

Der Töpfer: Künstler, Chemiker und... ein Dickkopf, der weiß, was er will

        Die Emaille dieser Salatschüssel zeigt Reflexe in grün und blau, wie sie nur entstehen können, wenn der Künstler die Reaktion seiner Emaille wirklich im Griff hat. Denn es gibt keine offiziellen Rezepte - wenn ein Töpfer die ideale Zusammensetzung gefunden hat, behält er sie für sich. Schon die Grundbestandteile sind unterschiedlich - zum Beispiel Feldspat, Quarz, Kaolin, Talk, Kreide, Dolomit und viele andere - und jedes reagiert unterschiedlich. Dazu kommen die Farbstoffe: Eisen, Kobalt, Kupfer, Nickel, Mangan... Danach wird jeder Bestandteil genau ausgewogen, auf den Bruchteil eines Gramms genau, Wasser hinzugefügt und eine Art Eierkuchenteig daraus bereitet.
 
 
        Wenn die Mischung fertig ist, werden die vorgebrannten Werke hineingetaucht und dann noch einmal gebrannt, bei Temperaturen bis zu 1300 Grad. Unter dem Einfluss der Hitze fusionieren die verschiedenen Elemente und zaubern die schönsten Effekte hervor.
 
        Ein Töpfer ist jedoch niemals in der Lage, diese Effekte wirklich unter Kontrolle zu behalten. Oft gibt es böse überraschungen, und was ein großes Kunstwerk werden sollte, wird zur Katastrophe - und manchmal sind hunderte oder manchmal sogar tausende von Versuchen nötig, die Katastrophe in ein schönes Werk zu verwandelt. Doch je erfahrener der Künstler ist, je öfter hat er die Freude, seine Emaille gelingen zu sehen. Er lernt mit jedem Versuch. Und hat er einmal das richtige Rezept gefunden, kann er sicher sein, die schönsten Kunstwerke aus dem Ofen zu holen.
 
 
        Eigentlich hat ein Töpfer etwas von einem Chemiker, der oft jahrelang über seinen Formeln brütet. Dazu kommt, dass die Beschaffenheit der Erde auch einen Einfluss auf die Emaille hat: im Brennofen reagiert sie mit den anderen Bestandteilen, und wenn ihre Zusammensetzung nur etwas von der Tonerde abweicht, die der Künstler vorher benutzt hat, entsteht schon ein anderes Ergebnis.