Catherine Cotonian-Moiroux

Teller und Vase von Catherine Cotonian-Moiroux
 

Punktmalerei, Kunst der Aborigines

        Betrachtet man Catherines Motive etwas genauer, so entdeckt man oft Punkte in den Blumen. Diese Idee, die zu der Farbenfreude ihrer Werke beiträgt, kam ihr auf einer ihrer Reisen, dieses Mal nach Australien, wo die Punktmalerei - oder „dot art” - aus der Kunst der Aborigines geboren wurde. Sie gehören zu den Elementen, die ursprünglich die vergänglichen Tier- und Pflanzenbilder verzierten, die am Strand in den Sand gezeichnet wurden.
 
 
 
 

Spiegel der Seele eines Volkes

 
        Doch die Punktmalerei war nicht nur im Sand zu finden. Man verzierte Baumrinde, Felsen und seinen eigenen Körper. Den Punkten wurden Streifen und Linien, Kreise und Spiralen hinzugefügt, und das Ganze wuchs zu einer Pflanze oder einem Tier zusammen. Der Sinn dieser Kunst war der Ausdruck kultureller Ereignisse. Je nach der Form des Motivs drückte sie Freude oder Leid aus und spiegelte die Seele des Volkes, zu dem der Künstler gehörte.
 
 
 
 

Punkte verschleiern die sakrale Botschaft

 
        In den siebziger Jahren wurde die traditionelle Technik von westlichen Kunstkreisen entdeckt. Die ersten „festen” Bilder entstanden, erste Ausstellungen wurden organisiert, deren Originalität und Farbenpracht schnellen Erfolg brachte. Doch die neuen Künstler achteten die Gefühle der Erfinder der Kunstrichtung: die sakralen und kulturellen Symbole wurden durch Punkte überdeckt, die anderen Elemente verschwanden - wodurch der Ausdruck „Punktmalerei” entstand - und die Botschaft der Aborigines wurde unkenntlich.
 
 
        Die Symbolik der Punktmalerei hing davon ab, zu welchem Stamm der Künstler gehörte. So konnte ein gleiches Zeichen - ein Kreis oder ein Strich - in einem Werk einen Baum oder einen Berg darstellen, in einem anderen Werk stand es für Feuer oder Wasser.
 
 
 
 
 
        Viele Künstler aus den Stämmen der Aborigines versetzten sich auch in den Geist eines Vogels und malten die Welt aus der Perspektive des Wesens, das sie mit der Idee von Freiheit und der Freude an den Gaben ihrer höchsten Göttin, Mutter Erde, verbanden.