Gisèle Buthod-Garçon

Teller und Vase von Catherine Cotonian-Moiroux
 
 
 

Die „Welle” von Gisèle Buthod-Garçon

        Als Grundstoff für ihre Werke benutzt Gisèle Buthod-Garçon ein Material, das klassisch für die Herstellung von Raku-Keramik ist: mit Schamotte durchsetzten Sandstein. Erst die Entdeckung der Mischung von Erde mit Schamotte hat der Raku-Technik alle ihre Möglichkeiten gegeben. Schamotte ist eigentlich eine Art feuerfester Stein mit hoher Rohdichte - was die originelle Struktur von Werken wie der „Welle” zulässt.
 
 
 
 
 
 

Rauchbrand, eine Raku-Technik

 
        Nach dem Brennen wurde die „Welle” nach einer Technik behandelt, die im Raku als „Rauchbrand” bezeichnet wird, eine Art Schockbehandlung. Seinen ersten Schock erhält das Werk bereits, in dem der Ofen geöffnet wird, und die Emaille zeigt die feinen Risse, den Krack, der so typisch für Raku-Keramik ist.
 
 
 
 

„Krack” beim Raku: das Können der Töpfer

 
        Der Künstler ergreift sein Werk mit einer Zange, deren kalte Oberfläche weitere Risse verursacht, und legt es in ein Gefäß, das mit einem organischen Stoff - Holz, Pflanzenfasern, manchmal auch Zeitungspapier - gefüllt ist. Dieser Stoff fängt natürlich Feuer. Der Töpfer schließt das Gefäß, und das Feuer verwandelt sich in einen dichten, schwarzen Rauch. Das dadurch freigesetzte Kohlendioxyd schwärzt das Werk überall da, wo keine Emaille ist, und ganz besonders in den Rissen.
 
 
 
 

Sauerstoff und das Wunder der Raku-Farben

 
        Doch beim Rauchbrand wird nicht nur der Krack eingefärbt, sondern die gesamte Emaille verändert ihre Struktur - und damit ihre Farben -, wenn sie noch extrem heiß mit Kaltluft und Sauerstoff in Berührung kommt. Und das ist der Moment, den der Künstler steuern muss: er entscheidet über die Zeit, in der das Werk der frischen Luft und ihrem Sauerstoff ausgesetzt ist, über die Intensität des Rauchbrands, das verbrannte Material...
 
 
        Ein kleiner Irrtum beim Rauchbrand kann fatal sein - er kann dazu führen, dass das Werk zerbricht. Doch Erfahrung und Können - und ein gewisses feeling - lassen herrliche Strukturen und Farben erscheinen oder, wie bei der „Welle”, das Gefühl, echte Metallfarben leuchten zu sehen.
 
 
 
 
 
 
 
        Die „Welle” von Gisèle Buthod-Garçon konnte nur nach langer Erfahrung entstehen. Doch Technik macht noch kein Kunstwerk. Zu all diesen Kenntnissen kommt die Feinfühligkeit, sich in den Ton hineinzuträumen, und ihn ausdrücken zu lassen, was man empfindet. Die „Welle” mit ihrer wilden Schönheit ist der Traum einer Künstlerin, deren Hände zu sagen wissen, was andere Menschen ahnen, doch oft nicht aussprechen können.