Alain Vaissière, Kunst zwischen zwei Welten

 
 
 

Alain Vaissière: Geheimnis Mensch

        Ob man in Bildern wie den „Goldspiralen” nun Algen zu erkennen glaubt und das Milieu zum Mittelmeer bestimmt - oder ob man eine Figur in einer Zauberwelt oder, ganz prosaisch, einen von Insekten umschwirrten Menschen sieht, der auf einer undefinierbaren Bank sitzt - in Alain Vaissières Werken ist alles möglich...
 
 
 
 
 
Alain Vaissière, Silhouetten: Kunst und Mensch
 
 
 
 
        Eindeutig oder, eher, uninterpretierbar bleiben jedoch die Schatten der Menschen, die in seiner Serie „Silhouetten” auftauchen: anonym, einsam, verschlungen von der Welt, die sie umgibt. Silhouetten, manchmal Körper ohne Kopf, ohne Charakter, ohne Heimat - außer, dass sie sich in ihre Umgebung einfügen, als wäre es diese Umgebung, die das Menschliche formt... nicht der Mensch. Schatten ohne Freiheit, ohne Willen, ohne Glück und ohne Leid. Das vollkommene Neutrum.
 
 
 
 
 
 
 
 
        Das Universum, das Alain Vaissière für seine Silhouetten schafft, ist wie ein modernes Märchen: ungreifbar und doch so nah. Er beschreibt eine inhumane Welt, wo Geld, Computer und Roboter dominieren. Trotzdem ist sie irgendwie menschlich. Der Mensch wird zum Schatten, aber er lebt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        Aber betrachtet man das Werk des Künstlers Alain Vaissière als Ganzes, so fällt doch eine stetige Entwicklung auf... eine emotionale, gefühlsbetone Entwicklung, die uns immer tiefer in eine reale Fantasiewelt - oder eine fantastische Realität - führt, die zunächst dem Künstler allein gehört.
 
 
 
 
 
 
        In dem Augenblick jedoch, wo der Künstler seine Fantasiewelt mit uns teilt, verwandelt sie sich in einen neuen Traum... den ganz persönlichen Traum des Betrachters. Alain Vaissière ist nicht mehr länger der „Besitzer” seines Werkes. Sein Inhalt wird freigegeben, jeder kann ihn neu interpretieren, nach seinen eigenen Gefühlen, nach seinen eigenen Ideen und Erfahrungen.
 
 
 
 
 
        Die Kritikerin Marie Hélène Barreau Montazet sagt von den Menschen in Alain Vaissières Werken, sie seien urtypische, rekursive Elemente, die, aus dem typischen Zusammenhang gerissen, in ein neues, künstlerisches Universum versetzt würden, wie ein Story-Board, das Träume schreibt: Körper ohne Fleisch und Blut in einem modernen Märchen. Ein Körper, so meint sie, kann verändert und angepasst werden, er ist austauschbar - doch essenziell.
 
 
 
 
 
 
        Auf den ersten Blick mögen die Bilder von Alain Vaissière Einzelschöpfungen sein, die spontan seiner überschäumenden Fantasie entsprungen sind, die durch den Menschen hindurch und in ihn hineinblickt...