Anica Matijasevic, die Frau in der Skulptur

 
 
 

Das „ewig Weibliche” von Anica Matijasevic

        Die drei Göttinnen von Anica Matijasevic stammen aus der slawischen Welt der Legenden. Doch sie sind gleichzeitig das Symbol des „ewig Weiblichen”, der Frau, und ihrer Macht über Leben und Tod. Der Mann bietet ihr sein Sperma, ein Samenkorn, sinnlos ohne die Stärke und Fruchtbarkeit der Frau, ohne Macht, ohne Kraft.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        Die Frau, dagegen, ist der Ursprung eines jeden Lebenszyklus. Der Aufbau des Lebens findet in ihrem Körper statt. Sie schenkt Leben und, nach der slawischen Legende und Philosophie, damit auch den Tod. Denn wie Yin und Yang, so ist das Leben der Anfang vom Tod, und der Tod der Anfang des Lebens. Doch damit nicht genug: sie lenkt auch das Leben des Menschen in seine Bahnen. Sie ist das erste Wesen, das in sein Bewusstsein dringt, es manipuliert und gestaltet - das einen Menschen formt.
 
 
 
Anica Matijasevic, Bildhauerin
 
 
 
 
 
 
 
        Die „Fährmännin”, die von Anica Matijasevic als lächelnde, gutmeinende Göttin dargestellt wird, hat jedoch auch weniger edle Züge. So begleitet sie den Menschen nicht nur auf seinem Weg durch das Leben, sondern nach dem Tod hilft sie auch seiner Seele, den Fluss zur Unterwelt zu überqueren - gegen Entgelt. Sollte die Seele den gewünschten Lohn nicht zahlen, so verbleibt sie für immer im Reich des Diesseits, jedoch ohne Zugang zu einem neuen Lebenszyklus.
 
 
 
 
 
        Dieser Philosophie folgend stellen die drei Göttinnen von Anica Matijasevic den Zyklus des Lebens dar: die Lebensspenderin, die „Fährmännin” und den Tod. Die Spenderin des Lebens sorgt dafür, dass das ewige Dasein ins Bewusstsein rückt. Die „Fährmännin” begleitet den Lebenden auf seinem Weg zwischen den beiden Ufern, die das Leben definieren. Der Tod erlöst den Lebenden und leitet neues Leben ein.