Bertrand Mahieu und Lucas Cranach der Ältere

 
 
 
 

Bertrand Mahieu: Verschleierte Weiblichkeit

 
        Zu seiner Zeit - Anfang des 16. Jahrhunderts - galten die Aktbilder von Lucas Cranach dem Älteren als ein einziger Skandal... und das von einem Künstler, der als enger Freund Martin Luthers galt. Doch gleichzeitig wurden seine Gemälde stets als einzigartig betrachtet. Im Gegensatz zu anderen Aktmalern, will er gleichzeitig so etwas wie eine „moralische Botschaft” vermitteln. Sein Ziel ist nicht die naturgetreue Abbildung der Frau: er verlängert ihre Beine, er verkürzt ihren Oberkörper, er betont ihre Formen und legt einen leichten Schleier über ihre Nacktheit, was sie noch erotischer erscheinen lässt.
 
 
 
 
 
 
 
        Wenn Bertrand Mahieu die Aktgemälde von Lucas Cranach kopiert, dann stellt er seine Frauen unter einem anderen Licht da - ein „Licht”, das Martin Luther vielleicht dazu gebracht hätte, dem Maler die Freundschaft aufzukündigen. Auf seinem Ölbild Eva (Bild rechts) betont Bertrand Mahieu zwar die weiße, wie verschleiert wirkende Haut der Frau, doch der Apfel und das Blatt, das bei Cranach diskret ihren Sex versteckt, verschwinden, und der Garten Eden weicht einem Hintergrund, der eine zerkratzte, zerlöcherte Leinwand mit starken Farben zeigt, und Eva eher in eine Art Höllenszenario versetzt.
 
 
 
Bertrand Mahieu kopiert Lucas Cranach den Älteren
 
 
 
 
        Mit Lucas Cranach dem Älteren hat Bertrand Mahieu einen Meister gewählt, der die Gemüter nicht nur in seiner Epoche erhitzte. Jedenfalls kann man sich kaum ein größeres Lob vorstellen als das eines Kritikers, der meinte, man könnte viel über die Werke des Malers sagen - aber nicht, dass sie langweilig seien.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        Mit seiner Nymphe an der Quelle ist Lucas Cranach der erste Künstler der gesamten nordischen Hemisphäre, der es wagt, eine liegende Nackte zu malen. Mit einer gezielten Hintergrundbeleuchtung verleiht Bertrand Mahieu ihr Schwerelosigkeit.