Wiederkehr
Musik
Küste
 

André Le Corre, Genese eines Kunstwerkes

 
 
 

André Le Corre, Wiederkehr der Genese

        Vor jeder Wiederkehr steht zunächst ein Abschied. Eine Wiederkehr kann aber auch so etwas wie eine Erkenntnis sein, eine Weiterentwicklung der Gedanken, die nie still stehen, eine Genese, die niemals endet.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        Doch wann ist ein Kunstwerk wirklich beendet? André Le Corre hat festgestellt, dass es Momente gibt, wo der Künstler dem unabhängigen Dasein eines Werkes ein provisorisches Ende setzen will. Wenn er in diesem Augenblick noch das Recht auf das Kunstwerk hat, kann er es einer „Verjüngungskur” unterwerfen und den ursprünglichen Akt der Genese fortsetzen - bis er dem Werk ein neues Gleichgewicht gegeben hat.
 
 
 
André Le Corre, Kunstmaler
 
 
 
 
 
 
        Für André Le Corre besteht die Kunst aus ständigem Abschied und Wiederkehr, ein Kommen und Gehen zwischen der Aktion und der Besinnung. Wenn das eine hervortritt, zieht sich das andere zurück. Diese scheinbar gegensätzlichen - aber in Wirklichkeit doch so einheitlichen - Faktoren bestimmen die Genese eines Kunstwerks, die erst dann beendet ist, wenn das nötige Gleichgewicht erreicht ist. Der Künstler entscheidet, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist. In diesem Augenblick beginnt für das Werk ein eigenes, unabhängiges Dasein, das nur von den Augen der Anderen genährt wird.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        Wie der Betrachter in einem Werk, das seinen selbstständigen Lebensweg beschritten hat, oft etwas anderes sieht als der Künstler, so kann auch der Künstler in einem bestimmten Moment eine andere Interpretation empfinden als die ursprüngliche. Das Werk kann sich auf diese Weise von seiner eigentlichen Bedeutung entfernen, eine Entwicklung erfahren, ohne dass sie sich in seinem Äußeren widerspiegelt.
 
 
 
 
 
 
        Wenn das Werk seinen Daseinsweg schon beschritten und der Künstler das Recht auf seine Beurteilung verloren hat, dann findet die Wiederkehr zu dem Werk - die Fortsetzung der Genese - auch oft nur im Kopf des Künstlers statt. Dann behält es sein ursprüngliches Gleichgewicht, auch wenn es vor dem geistigen Auge seines Erschaffers weiterwächst und sich verändert.