Musik, Malerei, Träume, Poesie - Ivan Dmitriev

 
 
 
 
 
 
        So hat Ivan Dmitriev in seiner Personen-Serie einen Koloss erschaffen, dessen Hände aus Gold sind - ein Gold, das alles, was es anfasst, präzise in die richtige Form bringt. Diese Hände haben die Macht, sich zu vervielfachen, bis sie stark genug sind, einen Riesen erstehen zu lassen, der jedoch in keiner Weise furchterregend ist. Getreu der Philosophie des Künstlers hat er ein gutes Herz, was ihn jedoch nicht hindert, „friedlich wie der Vesuv” zu sein. Er ist natürlich verliebt in einer wunderbare Frau - die Frau-Ozean, die schön, doch turbulent ist. Der Koloss reicht ihr einen Strauß aus Augen dar, denn seine Augen gehören nur ihr.
 
 
 
Ivan Dmitriev, Traum, Musik und Malerei
 
 
 
 
        Wenn der Maler Ivan Dmitriev von Personen spricht, dann geht es nicht um alltägliche Menschen, sondern um verwirrende Fantasiegebilde, die poetischen Träumen - manchmal Albträumen - entspringen. Ihre Heimat ist die Fabelwelt, eine Welt, in der ein junger Künstler, Erfinder und Poet sich wie zu Hause fühlt.
 
 
 
 
 
 
 
        Die Personen von Ivan Dmitriev sind stets friedliebend, doch gleichzeitig verwirrend, stürmisch. Sie sind - „so wie das echte Leben” - widersprüchlich in ihrem ganzen Sein. Sie sind zierlich und hart, groß und gebieterisch mit einem weichen Herz. Sie lieben die Schönheit, und gehen in dieser Liebe so weit, sich selbst, aber auch ihre Umwelt auf dem Altar der Anmut und des Liebreizes zu opfern. Und sie lieben die Liebe: wenn gerade keine Person in Sicht ist, in die sie sich verlieben können, dann lieben sie ganz einfach das Leben.
 
 
 
 
 
 
 
        Und natürlich spielt die Musik eine Rolle, wie immer bei Ivan Dmitriev. Das Portrait des unbekannten Mädchens versetzt den Dichter in einen Wald, wo die Vögel über die Bäume fliegen und zu der leisen Musik eines Klaviers schweigen. Ein Sonnenstrahl fällt durch die dichten Baumwipfel und verspricht eine Lichtung - einen Lichtblick in der Dunkelheit des Waldes. In der Ferne hört man eine andere Melodie... die Musik eines Wasserfalls, der liebliche Noten mit sich reißt und sich mit den Tönen des Klaviers verbündet. Der Dichter erreicht die Lichtung, und er erblickt eine junge Pianistin, die mit Körper und Seele in der Musik aufgeht. Tiere und Geister unterbrechen ihren Weg, um ihr eine Weile lang zuzuhören. Der Dichter setzt sich und lauscht.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        Auch ein anderes Mädchen war verliebt - verliebt in die Pflanzenwelt. Natürlich war sie edlen Blutes... und Gärtnerin. Doch eines Tages geschieht das Furchtbare: ein schreckliches Feuer zerstört alle Pflanzen. Verzweifelt stürzt sie sich auf die lichterloh brennenden Gewächshäuser, ihr Vater will sie zurückhalten. Doch es ist zu spät. Sie stirbt, umgeben von Flammen. Ihr Vater weint und betet, betet und weint... bis sich ein Wunder vollzieht. Aus dem Kopf der edlen Toten sprießen Augen, an seidigen Haaren, schön und verführerisch wie der Kopfschmuck der Medusa. Die Gärtnerin hat ihre Sehkraft wiedergefunden - eine Sehkraft, die nur der Schönheit der Pflanzen gilt.