Saint-Quentin-la-Poterie und die Kunst

        Obwohl zu gewissen Zeiten mehr Leute aus Saint-Quentin-la-Poterie von der Landwirtschaft als von der Töpferei lebten, konnte man sich den Ort nie ohne diese Tätigkeit vorstellen. Keiner weiß genau, wann es angefangen hat - die einen sagen, im 14. oder 15. Jahrhundert, andere glauben an die Beweiskraft von Fundstücken aus der Neusteinzeit.
 

Saint-Quentin-la-Poterie und sein Museum der Töpferei
 
 

17. Jahrhundert: Töpferei, ein Hungerberuf

        Auch wenn die Päpste aus Avignon, Jean XXII und Benoit XII, Saint-Quentin mit ihren Bestellungen von Gefäßen und Tonfliesen zu einem gewissen Wohlstand verhalfen, so waren die Töpfer des Dorfes doch nicht immer reich. In gewissen Perioden der Auftragsflaute - wie im 17. oder 18. - arbeiteten im Ort der Drehscheiben zwar über 40 Töpfer, doch kaum einer konnte wirklich von seinem Beruf leben. Zu dieser Zeit wurde die Kunst des Töpferns eher als Hungerberuf betrachtet.
 
 
 

Vom Gebrauchsgegenstand zur Kunst

        Es war wohl zu dieser Zeit der Auftragsflaute, dass sich die Töpferei von Saint-Quentin zur Kunst entwickelte. Denn vorher zeichneten sich die Werke seiner Bewohner durch eine schlichte Schönheit aus, die rein funktional war. Die Töpfe waren bekannt für ihre praktische Form und ihre hohe Widerstandskraft gegen Hitze. Die Pfeifen hatten vielleicht keine originellen Formen, doch sie zogen gut und entsprachen den Ansprüchen der erfahrenen Raucher.
 
 
 
 
 
 
       Ein erstaunliches Fundstück: während einer Ausstellung In Uzés fiel auf, dass ein Werk aus dem 19. Jahrhundert, das eindeutig aus Saint-Quentin stammte, fast aufs Haar genau einem Fund aus der Römerzeit ähnelte, den man in der Umgebung des Töpfer-Dorfes ausgegraben hatte. Es konnte sich natürlich um einen Zufall hindern - oder um eine Art „unbewusste Erbfolge”, was die Wissenschaftler nicht ausschlossen.
 
 
 
 
 
       Das Musée de la Poterie von Saint-Quentin bietet in elf Sälen - auf rund 400 Quadratmetern - 1200 Kunstwerke der Töpferei aus allen Zeiten.
 
 
 
 
Kunst in Saint-Quentin-la-Poterie
 
 

Originalität in Formen und Farben: Kunst in Saint-Quentin

        Doch als das Töpfern eines Tages nicht mehr das nötige Einkommen sicherte, änderte sich die Szene. Die Handwerker, die nicht länger am Hungertuch nagen wollten, wurden Bauern. Die anderen, dagegen, begannen darüber nachzudenken, wie sie die selten gewordenen Auftraggeber durch besondere Formen oder Farben anziehen könnten. Jeder versuchte seine Arbeit von der des Nachbarn abzusetzen - und suchte und fand seinen eigenen Ausdruck: die Idee der Kunst war geboren.
 
 
 

Heute in Saint-Quentin-la-Poterie: Kunst auf höchstem Niveau

        Anfang der 70er Jahre schien das Ende der Töpferei von Saint-Quentin endgültig. Zu dieser Zeit schloss selbst die berühmte Pfeifenfabrik Job Clerc... Doch dies war nur ein neuer Anfang. Auf Betreiben des Bürgermeisters ließen sich Töpfer aus aller Welt im Ort der roten Tonerde nieder, ein Töpfermuseum wurde gegründet, ein Töpfermarkt, der einmal im Jahr die Größten der Gilde anzieht - und heute ist Saint-Quentin wieder das, was es einmal war: das Dorf der Töpfer, mit dem Unterschied, dass es heute nicht mehr um „praktische” Werke geht, sondern um Kunst auf ihrem höchsten Niveau.