Kunst in Lattes: Moderne und Harmonie

        Der Ausdruck der modernen Kunst liegt in Lattes vor allem in seiner Architektur. So gehört die Kirche Saint-Bernard im Hafen von Lattes zu den Kunstwerken unserer Zeit. Sie ist bisher die jüngste Kirche der Metropole. Ihr Architekt, Philippe Monestier ist bekannt für seine Wohnblocks und Einkaufszentren, die ohne Zweifel von dem Wunsch der Moderne bestimmt sind und dem Entschluss, mit allem was alt ist, zu brechen. Doch bedeutender noch als der Bau von Saint-Bernard ist seine Serie von sechzehn Kirchenfenstern, eine Explosion von Farben, von Jovhanna Rutvanowska. Die polnisch-französische Künstlerin lehnt das Abstrakte ab: für sie ist Kunst die Harmonie von Formen und Farben.
 
Brunnen in Lattes
 
 
 

Jacques Coeur - Wohltäter?

        Doch Kunst in Lattes sind vor allem auch Denkmäler, die der Erinnerung dienen. Erinnerung, zum Beispiel, an jenen Mann, der - auch wenn sein Wohlstand großteils aus dem Waffenhandel kam - nicht nur den Hafen von Lattes ausbaute, sondern Reichtum nach Montpellier und in den ganzen Bezirk brachte. Es ist Jacques Coeur zu verdanken, „dem Jacques”, wie ihn die Bewohner von Lattes liebevoll nennen, wenn das Languedoc schon früh seine Lage am Mittelmeer ausnutzen konnte, damit seine Bewohner besser lebten - und, was uns heute vor allem interessiert - all die Gebäude konstruierten, die wir inzwischen als Kulturgut betrachten.
 
 

Paule Joly und die Bäuerin aus Lattes

        In einem kleinen Park, der zum Rathaus gehört, hinter dem Theater, schon fast im Unterholz versteckt, steht eine Skulptur von Paule Joly. Wie so vieles in dieser Stadt, in deren Zentrum die Geschichte nur kurz, aber doch allgegenwärtig ist, spielt auch sie auf Vergangenheit und Erinnerung an. Sie stellt eine junge Bäuerin aus Lattes dar, die auf der Guillotine starb, weil sie einem Kirchenmann, dem Pfarrer Bernaudon, Schutz vor den Revolutionären geboten hat.
 
        Man sagt der Bildhauerin nach, sie würde keine Formen, sondern Andeutungen von Formen erschaffen. Wenn sie einen Körper modelliert, erfindet sie seine Formen neu und läutert seinen Sinn, bis nichts bleibt als die Anmut von Raum und Gleichgewicht... Was nicht bedeutet, dass sie technisch von den klassischen Wegen abwiche. Laut ihren Kritikern wendet sie in ihren Werken alle Techniken an, die in der Bildhauerei benutzt werden. Die geborene Südfranzösin ist inzwischen weltweit bekannt, und man trifft ihre Werke in vielen Städten an, zwischen Marseille, Madrid und New York.
 
Bäuerin aus Lattes, die auf der Guillotine starb