Kunst in Aniane: Die nackte Nymphe

        Aniane hatte nicht nur religiös motivierte Gönner wie den jungen Grafen Witiza. M. Mongin fils, wie er in den alten Dokumenten genannt wird, war der Besitzer der Gasfabrik von Aniane. Eines Tages beschloss er, seinem Ort eine Nymphe zu schenken. Doch diese Nymphe entsprach nicht jedermanns Geschmack.
 
 
 
        Eigentlich war die Nymphe ja nichts anderes als ein „Mast”, der eine der Gaslampen trug, die Aniane erhellten. Aber im Gegensatz zu einem „normalen” Mast zeigte die Nymphe einen nackten Busen - was einige Damen aus der höheren Gesellschaft sehr entsetzte.
 
Statue auf der Fassade der Kirche von Aniane
 

Der Jungfrau den Rücken...

        Der Skandal mit der Nymphe ähnelt der Geschichte der berühmten Drei Grazien von Montpellier, eine Statue mit gleich drei nackten Schönheiten, die jahrzehntelang verschleiert werden mussten, um die Gefühle der frommen Damen nicht zu verletzen. Doch das Problem der Nymphe aus Aniane war nicht allein der Busen - was noch schlimmer war: das Kunstwerk wurde vor der Heiligen Jungfrau des Klosters aufgestellt. Nachdem es aber unmöglich war, einem reichen Gönner wie M. Mongin fils etwas abzuschlagen, einigte man sich auf einen Kompromiss: damit zumindest die Gottesmutter nicht gestört würde, musste die Nymphe ihr den Rücken zudrehen.
 
 
       Viele der Häuser, die man heute im Inneren des Ortes sieht, wurden Ende des 18. Jahrhunderts gebaut, während einer Periode des Wohlstands in Aniane. Das Stadtbild wird durch die Torbögen bestimmt, die man in fast allen Straßen findet.
 
 

Tag der Künstler und Kunsthandwerker in Aniane

        Ein Tag im Jahr ist den Künstlern und Kunsthandwerkern aus Aniane und Umgebung gewidmet: der 28. Dezember, an dem regelmäßig eine große Messe stattfindet, auf der man unter anderem die Arbeiten der lokalen Maler, Töpfer und anderer Künstler und Kunsthandwerker bestaunen kann.
 
        Der Legende zufolge wurde dieser Tag nicht willkürlich gewählt, sondern geht auf eine Begebenheit des 16. Jahrhunderts zurück. Es heißt, dass Bürger aus dem Nachbarort Gignac Jugendliche aus Aniane des Diebstahls bezichtigt hätten. Vor Gericht stellte sich jedoch die Unschuld der jungen Anianer heraus. Aber die waren über die ungerechte Anklage so erbost, dass sie nach dem Urteil tagelang mit Spruchbändern durch die Gegend zogen, auf denen sie ihre Unschuld beteuerten.
 
        Die Geschichte blieb den Leuten aus den Nachbardörfern im Gedächtnis - die jungen Betroffenen sorgten hinreichend dafür - und Aniane wurde für sie das „Dorf der Unschuldigen”. - Zufall oder Geschichte, jedenfalls wurde der Messetag in Aniane per königlichem Verdikt auf den Tag des „Saint Innocent”, der Heiligen Unschuld gelegt.